Mundarten: Geschichte der deutschen Dialekte

Mundarten: Geschichte der deutschen Dialekte - papagei.com Magazin

Wenn ein Kölner seiner Angebeteten aus Bayern seine Liebe gesteht, kann das nach hinten losgehen. Der Schwur „Isch han disch lev“ zaubert der Dame womöglich lediglich Fragezeichen ins Gesicht, „I hob di gearn“ hätte ihr dagegen einen Seufzer entlockt. Woran liegt’s? Der verliebte Kölner hätte seine Herzensdame auf hochdeutsch becircen sollen. Denn die deutschen Dialekte unterscheiden sich oft so sehr, das Unkundige nur Bahnhof verstehen. Wie kommt das, wie sind die Dialekte eigentlich entstanden?

Ein Dialekt ist eine lokale oder regionale Variante einer Sprache. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Altgriechischen und bedeutet „Gespräch und Redensweise von Gruppen“. Ein Dialekt kann sich von der Standardsprache wie auch von anderen Dialekten in allen Sprachbereichen unterscheiden, also etwa bezüglich der Laute, der Wortbeugung, des Satzbaus und des Wortschatzes. Während der Begriff Mundart ein Synonym zu Dialekt darstellt, bezeichnet der Terminus Akzent lediglich die Besonderheiten bei der Aussprache. 

Drei große Dialektgruppen in Deutschland

Im Mittelalter lebten auf dem Gebiet der später deutschsprachigen Länder verschiedene germanische Stämme, nämlich die Alemannen, Bajuwaren, Franken, Friesen, Sachsen und Thüringer. Sie besaßen alle eigne Stammessprachen, die miteinander verwandt waren – aber auch deutliche Unterschiede aufwiesen.

Mit der sogenannten Zweiten Lautverschiebung bildete sich dann ab 600 nach Christus die deutsche Sprache aus dem Germanischen heraus. Die Veränderungen bei den Lauten nahmen ihren Ursprung im Süden und breiteten sich von dort gen Norden aus, wobei sich der Sprachwandel immer stärker abschwächte. Die Folge war eine Art Dialekt-Grenze, die den germanischen Sprachraum in einen niederdeutschen (Norden) und einen hochdeutschen (Süden) unterteilte. Bei den hochdeutschen Dialekten gibt es eine weitere Unterteilung, sie gliedern sich in mittel- und oberdeutsche Dialekte. Zu den oberdeutschen Dialekten zählen das Bairisch-Österreichische, Alemannische und Ostfränkische, mitteldeutsche Dialekte sind unter anderem Rheinfränkisch, Mittelfränkisch, Thüringisch und Obersächsisch.

Luther als Wegbereiter einer einheitlichen Sprache 

Die heutige deutsche Standardsprache – umgangssprachlich auch als Hochdeutsch bezeichnet – entwickelte sich ab Mitte des 13. Jahrhunderts zunächst als reine Schriftsprache. Die Vorläufer waren ständisch bestimmte Schriftsprachen wie zum Beispiel die Fachsprachen der Handwerker, Kaufleute und höfischen Kanzleien. Aus diesen Sondersprachen bildeten sich eine mittelniederländische, eine mittelniederdeutsche, eine ostmitteldeutsche und eine oberdeutsche Schreibsprache heraus.

Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer deutschen Standardsprache spielte der Reformator Martin Luther. Seine Bibelübersetzung im ostmitteldeutsch-sächsischen Dialekt fand im ganzen deutschen Sprachraum reißenden Absatz und ebnete einer allgemein gültigen Schriftsprache den Weg. Das auf Luther basierende sogenannte Meißnische begann seinen Siegeszug durch Deutschland. Am langsamsten gewann es im alemannisch-bairischen Sprachraum an Boden, weil hier die Abweichungen zu der vom Volk gesprochenen Sprache besonders groß waren.

Sprachgebrauch heute: Nord-Süd-Gefälle bei den Dialekten

Letztendlich wirkte der Buchdruck als Katalysator für die Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache, da der im Entstehen befindliche überregionale Buchmarkt auch nach einer überregionalen Sprache verlangte. Die heutige Standardsprache ist die von Dialektformen bereinigte hochdeutsche Schriftsprache mit vom Duden vorgegebener einheitlicher Grammatik und Aussprache. Was die Mundarten angeht, so gibt es heute 16 größere Dialekte. Auf dem Land sprechen die Menschen häufiger Dialekt als in den Städten, zudem gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: In Süddeutschland ist Mundart verbreiteter als im Norden, wo die Dialekte bereits stark von der Standardsprache verdrängt worden sind.

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