Klingonisch, Elbisch & Co.: Fiktionale Sprachen für fiktive Welten

Klingonisch, Elbisch & Co.: Fiktionale Sprachen für fiktive Welten - papagei.com Magazin

Wussten Sie schon, dass die schlimmste Beleidung für einen Mandalorianer „hut'uun“ lautet – zu deutsch „Feigling“?

Oder dass es im Klingonischen an Bezeichnungen für Alltagsgegenstände mangelt? Und dass Sindarin als Umgangssprache dient, während Quenya fast ausschließlich als Schriftsprache verwendet wird? Sie haben von all diesen Sprachen noch nie etwas gehört?

Der berühmteste Schöpfer von künstlichen Sprachen in Film und Literatur ist der Schriftsteller J. R. R. Tolkien.

Für das Epos „Der Herr der Ringe“ und seine weiteren Erzählungen über die Fantasy-Welt Mittelerde erfand der Brite gleich eine Vielzahl an Kunstsprachen. Doch auch die Macher von „Star Trek“ und „Star Wars“ haben sich ausgeklügelte Sprachen mit elaboriertem Vokabular und Regelwerk ausgedacht. Die wichtigsten Vertreter aus dem Reich der fiktionalen Sprachen sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Sindarin und Quenya: Die Sprachen der Elben

Der 1973 verstorbene J. R. R. Tolkien war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Sprachwissenschaftler. Er beschäftigte sich schon als Kind mit Sprachen und bastelte an einer Kunstsprache, die auf dem Gotischen aufbaute. 1912 lernte er die finnische Sprache kennen und entwickelte fortan eine fiktionale Sprache, deren Grundlage die von ihm so geliebte Phonetik des Finnischen war. Das Ergebnis nannte er Quenya. Und da nach Tolkiens Verständnis eine Sprache auch eine Geschichte haben muss, dachte er sich die Fantasiewelt Arda aus, auf der das aus „Der Herr der Ringe“-Triologie berühmte Reich Mittelerde beheimatet ist.

In der Folge entwickelte Tolkien zahlreiche weitere Sprachen für seinen Mittelerde-Kosmos. Die bekannteste neben Quenya ist Sindarin, die Tolkien ebenfalls seinen Lieblingsgeschöpfen, den edlen Elben, auf den Leib schrieb. In Tolkiens Erzählungen hat sich Sindarin im dritten Zeitalter von Mittelerde als Umgangssprache der Elben etabliert, während das ältere Quenya weitestgehend nur noch als Schrift- und Gelehrtensprache vorkommt.

Wer sich mit den fiktionalen Sprachen Tolkiens intensiver beschäftigen möchte, dem sei „Das große Elbisch-Buch“ von Helmut W. Pesch empfohlen. Zum Reinschnuppern eignet sich das Elbisch-Online-Wörterbuch von Pons, das Begriffe in und aus den Elbensprachen Quenya und Sindarin übersetzt.

Klingonisch: Die erste „echte“ Sprache von Außerirdischen

Lange Zeit sprachen außerirdische Spezies in Science-Fiction-Filmen nur sinnloses Kauderwelsch, die Produzenten von „Star Trek“ wollten das ändern. 1984 beauftragte die Filmgesellschaft Paramount den US-Sprachwissenschaftler Marc Okrand, für das Volk der Klingonen eine komplette Sprache zu entwickeln. Da es sich bei den Klingonen um Krieger handelt, schmückte Okrand das Klingonische mit zahlreichen Zungenbrechern und gab der Sprache einen schroffen Klang. Das Vokabular der ursprünglich nur für die „Star Trek“-Kinofilme konzipierten Sprache umfasst allerdings lediglich rund 3000 Wörter, vor allem an Alltagsbegriffen mangelt es.

Der immense Kult um „Star Trek“ hat dazu geführt, dass sich Klingonisch zu einer Sprache entwickelt hat, die von Anhängern der Serie erlernt und gesprochen wird, beispielsweise im Rahmen von Rollenspielen und auf Fantreffen, den Conventions. Es gibt sogar ein Klingon Language Institute, das sich der Erhaltung und Verbreitung der Sprache verschrieben hat.

Wer sich selbst einmal im Klingonischen versuchen will, kann dafür auf „Das offizielle Wörterbuch: Klingonisch - Deutsch / Deutsch – Klingonisch“ zurückgreifen.

Einen ersten Eindruck kann man sich mit Hilfe des Übersetzungsdienstes der Suchmaschine Bing verschaffen, der einzelne Begriffe und Phrasen vom Deutschen ins Klingonische und umgekehrt übersetzt.

Mando’a: Die Sprache der Sternenkrieger

Die Kunstsprache Mando’a oder Mandalorianisch wurde von der Schriftstellerin Karen Traviss für das Epos „Star Wars“ entwickelt. Traviss hatte bereits einige Science-Fiction-Geschichten geschrieben, bevor sie von George Lucas als Autorin verpflichtet wurde. Bereits in ihrem ersten „Star Wars“-Roman „Republic Commando: Feindkontakt“ (2004) verwendete Traviss Bruchstücke einer eigenen mandalorianischen Sprache. Das Buch wurde ein Bestseller und sie erhielt den Auftrag, analog zum Klingonischen eine sprechbare Sprache mit vollständiger Grammatik zu entwickeln. Herausgekommen ist Mando’a , die Sprache der kriegerischen Mandalorianer. Sie kennt kein Wort für „Held“, da es für Mandalorianer selbstverständlich ist, sich heldenhaft zu verhalten – während die Titulierung als „Feigling“ eine tödliche Beleidigung darstellt.

Detaillierte Informationen zu Regelwerk und Wortschatz des Mandalorianischen finden sich im Online-Nachschlagewerk Jedipedia.