Jugendslang - Für Erwachsene eine echte Fremdsprache

Jugendslang - Für Erwachsene eine echte Fremdsprache - papagei.com Magazin

Bist du der Babo oder ein Drehstuhlpilot? Hast du’s geschnaggelt? Sie verstehen nur Bahnhof? Dann ist es an der Zeit, eine kleine Lektion in Sachen Jugendsprache zu nehmen. Hier kommt sie.

Jargon – oder neudeutsch Slang – ist eine Sonderform der Umgangssprache, ein sogenannter Soziolekt. Er dient der vereinfachten Kommunikation innerhalb eine bestimmten Gruppe von Personen und auch der Identitätsbildung. Wer den Jargon einer bestimmten Gruppe spricht, gibt sich als Angehöriger dieser Gruppe zu erkennen.

Im Falle der Jugendsprache kommt hinzu, dass sich die Jüngeren bewusst von den gesellschaftlichen Normen und der Sprache der Älteren abgrenzen wollen. Dazu kreieren sie Begriffe, die beispielsweise von ihren Eltern nicht verstanden werden. In der jüngeren Vergangenheit sind zudem vermehrt sprachliche Elemente in die deutsche Jugendsprache eingeflossen, die von Jugendlichen mit Migrationshintergrund stammen.

Eine einheitliche Jugendsprache gibt es allerdings nicht. Jugendslang weist große regionale wie auch soziale Unterschiede auf. Und viele Begriffe sind äußerst kurzlebig. Beispiel: Was einst „knorke“ und dann „astrein“ war, wurde „cool“ und später „geil“. Heute ist es „geilon“, „episch“, „massiv“ oder auch „Bronx mäßig“.

Für Durchblick im Gewirr der Jugendsprache sollen spezielle Wörterbücher sorgen. Der Langenscheidt Verlag beispielsweise ruft alljährlich zur Wahl des „Jugendworts des Jahres“ auf und veröffentlicht anschließend eine Neuauflage seines Nachschlagwerks „100 Prozent Jugendsprache“. In welchem Maße die so zu „offiziellem“ Jugendslang geadelten Begriffe tatsächlich von den jungen Leuten benutzt werden, darüber sind sich Sprachwissenschaftler zwar uneinig. Auf jeden Fall aber helfen die Slang-Wörterbücher dabei, sich einen Eindruck von der Sprache der Jugendlichen und ihrem kreativen Charakter zu verschaffen.

Beginnen wir unseren Ausflug ins Reich der Jugendsprachen mit der Wahl zum „Jugendwort des Jahres 2013“. Die fünf Erstplatzierten lauten folgendermaßen:

  1. „Babo“. Bedeutet „Chef“ oder „Boss“. Der Begriff stammt aus dem Türkischen und fand über einen Song des deutsch-kurdischen Rappers Haftbefehl Eingang in die Jugendsprache.
  2. „fame“. Das englische Wort bedeutet so viel wie „berühmt“. Wird als Adjektiv verwendet, im Sinne von jemand „ist fame bei YouTube“.
  3. „gediegen“. Bedeutet „super“, „cool“, „lässig“.
  4. „in your face“. Bedeutet „dir habe ich‘s gegeben“, „da hast du’s“
  5. „Hakuna Matata“. Bedeutet so viel wie „kein Problem“, „alles in Ordnung“. Der Spruch aus der afrikanischen Swahili-Sprache ist durch den Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“ berühmt geworden. 2013 fand er auch Verwendung in einem populären Song des deutschen Hip-Hop-Duos Genetikk.

Die Jugendwörter der vorherigen Jahre waren:

2008: „Gammelfleischparty“. Bezeichnet eine Party mit alten Leuten, wobei als „alt“ über 30-Jährige gelten.

2009: „hartzen“. Bedeutet „faullenzen, „abhängen“, und stammt vom Begriff „Hartz IV“.

2010: „Niveaulimbo“. Bedeutet, dass etwas ein ständig sinkendes Niveau hat. Oft wird dann versucht, dass Niveau aus Spaß absichtlich weiter zu senken.

2011: „Swag“. Bedeutet, dass jemand oder etwas cool und lässig ist. Beispielsatz: „Du hast echt swag!“

2012: „Yolo“. Ist die Abkürzung für „you only live once“, zu Deutsch „man lebt nur einmal“. Beispielsatz: „Habe heute wieder die Schule geschwänzt, was soll’s. Yolo!“ 

Online-Voting zum Jugendwort 2014 läuft

Mehr Beispiele aus der „Fremdsprache“ Jugendslang liefert die Internetseite jugendwort.de. Hier können zum einen Jugendliche ihre Favoriten für das Wort des Jahres 2014 einreichen, und zum anderen können Interessierte in den bislang abgelieferten Vorschlägen stöbern. Beispiele: Wenn sich jemand asozial verhält, ist gerade im „Hayvanmodus“ (vom türkischen Wort „Hayvan“ für „Tier“). Ein „Suglie“ ist ein möglichst unvorteilhaftes Selbstporträt – ein ugly selfie halt. Der „Besserdisser“ hat bei Diskussionen stets die besten Argumente, während die „Zazikifresse“ äußerst unangenehm aus dem Mund riecht. Und um zum Anfang dieses Textes zurückzukehren: „Drehstuhpilot“ ist ein abfälliger Begriff für einen Büroangestellten, der im Job nichts zu sagen hat. Hast du es jetzt endlich geschnaggelt?

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