Studie belegt: Lehrer sind keine IT-Muffel

Studie belegt: Lehrer sind keine IT-Muffel - papagei.com Magazin

Pädagogen stehen mit moderner Technik auf Kriegsfuß, ist ein weit verbreitetes Klischee – offenbar aber ein falsches:

Laut einer aktuellen Studie sind Lehrer neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen und nutzen sie auch im Unterricht – wenn die Ausstattung an den Schulen es zulässt.

Der Lehrerberuf hat in Deutschland nicht gerade das höchste Ansehen. Pädagogen, so die Meinung vieler, haben mehr als reichlich Freizeit, zählen die Jahre bis zur Pensionierung herunter und machen jahrein jahraus denselben langweiligen, altmodischen Unterricht. Moderne Technik ist ihnen eher suspekt. Einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zufolge lässt sich zumindest das Bild von den IT-Muffeln nicht aufrechterhalten.

Bundesweite Befragung von mehr als 500 Lehrern

Wie verbreitet sind elektronische Medien, wie stark werden sie im Unterricht eingesetzt? Die repräsentative Studie mit dem Titel „Digitale Schule – vernetztes Lernen“ will den Status quo an den deutschen Schulen aufzeigen. 502 Lehrer der Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 9/10) wurden dazu befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 17 Prozent der Lehrer bezeichnen sich selbst als „Technik-Fan“. 73 Prozent stehen elektronischen Medien generell „eher positiv“ gegenüber. Neun Prozent sind „eher skeptisch“ und ein Prozent sieht elektronische Medien grundsätzlich „sehr kritisch“.
  • Dem Einsatz elektronischer Medien im Schulunterricht stehen 66 Prozent der Lehrer positiv gegenüber. Weitere 29 Prozent sehen den Einsatz „eher positiv“, nur fünf Prozent sind negativ eingestellt.
  • Zum Vergleich: Bei der gleichen Umfrage vor drei Jahren hatten sich lediglich 13 Prozent der Lehrkräfte uneingeschränkt positiv geäußert, die Ablehnung lag damals noch bei 23 Prozent.
  • 47 Prozent der Lehrer würden gern häufiger elektronische Medien einsetzen. Als Gründe, warum sie mitunter auf den Einsatz verzichten, geben diese Lehrer an: fehlende Geräte (45 Prozent), Sorge vor einem technischen Versagen der Geräte (21 Prozent) und mangelnde eigene Technikkenntnisse (14 Prozent).
  • 84 Prozent der Lehrer nutzen im Unterricht regelmäßig einen Beamer, 64 Prozent einen PC und 52 Prozent eine interaktive Schultafel (Smartboard).
  • Die an ihrer Schule vorhandene Ausstattung halten 36 Prozent der Lehrkräfte nur für mittelmäßig. 57 Prozent bringen daher ihr privates Notebook mit in die Schule, 23 Prozent ihren Tablet-PC und 19 Prozent ihre Digitalkamera.
  • 79 Prozent der Lehrer wünschen sich von ihrer Schule mehr Weiterbildungsangebote, 70 Prozent bessere digitale Lernmaterialien sowie je 69 Prozent eine bessere Ausstattung und technischen Support.
  • Mit Blick auf die Politik wünschen sich 82 Prozent der Lehrer bundesweit einheitliche Standards für elektronische Lernmittel, 73 Prozent ein Pflichtfach Informatik und 70 Prozent mehr Zuständigkeiten des Bundes in der Bildungspolitik.  

Die Studie liefert auch einen Überblick über die technischen Geräte, die an Schulen für den Unterricht zur Verfügung stehen.

Gemäß der Befragung verfügen

  • 99 Prozent der Schulen über PCs
  • 89 Prozent über Notebooks
  • 91 Prozent über Foto- und Videokameras
  • 83 Prozent über spezielle Lernsoftware
  • 80 Prozent über ein Intranet
  • 60 Prozent über Smartboards
  • 18 Prozent über Tablet-PCs
  • 4 Prozent über E-Book-Reader
  • 46 Prozent über Internet in allen Schulräumen
  • 65 Prozent über Internet in speziellen Räumen.


Die Ergebnisse der Umfrage fasst Bitkom-Präsident Dieter Kempf so zusammen:

„In unseren Schulen verabschieden wir uns allmählich von der Kreidezeit, aber von der Digitalen Schule und vernetztem Lernen sind wir noch weit entfernt“. Kempf fordert eine „Digitale Agenda für unsere Schulen“. Ziel sei es, die Ausstattung zu verbessern, die Weiterbildung der Lehrer voranzutreiben und den Unterricht „auf die Anforderungen der digitalen Welt auszurichten“.

So wie es aussieht, hat er die Lehrer dabei auf seiner Seite.

 

 

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