Ich bin dann mal weg: Auslandsjahr für Schüler

Ich bin dann mal weg: Auslandsjahr für Schüler - papagei.com Magazin

In einem fremden Land zur Schule gehen und bei einer Gastfamilie leben: Ein Auslandaufenthalt ist für Schüler die einmalige Gelegenheit, Fremdsprachenkenntnisse enorm zu verbessern, den eigenen Horizont zu erweitern, selbständig zu werden – und viele neue Freunde zu gewinnen. Alles Wissenswerte zum Thema Schüleraustausch liefert dieser Ratgeber.

Für deutsche Schüler ist das Austauschjahr noch eher die Ausnahme als die Regel. Laut dem Beratungsportal weltweiser.de nehmen im Schuljahr 2013/14 nur knapp 19.000 deutsche Pennäler an einem mindestens dreimonatigen Schüleraustauschprogramm teil – wobei die Begriffe „Schüleraustausch“, „Austauschjahr“ und „Auslandsjahr“ allesamt ein wenig in die Irre führen. Ein direkter Austausch von Schülern aus zwei Ländern findet heutzutage meist nicht mehr statt, ein komplettes Jahr dauert der Auslandsaufenthalt zumeist auch nicht – sondern zwischen drei und zehn Monaten.

USA sind das Gastland Nummer eins

Die meisten Schüler absolvieren ihr Auslandsjahr nach der 10. oder 11. Klasse, wenn sie zwischen 15 und 17 Jahren alt sind. Ein längerer Auslandsaufenthalt verhilft den Schülern nicht nur zu hervorragenden Fremdsprachenkenntnissen, sondern bringt sie auch mit einer anderen Kultur in Kontakt, fördert die Herausbildung ihrer Persönlichkeit und lässt die Jugendlichen meist deutlich „erwachsener“ und mit einer gehörigen Zusatzportion Selbstbewusstsein heimkehren.

Prinzipiell kann der Auslandsaufenthalt in jedem Land stattfinden, in dem es die politische und wirtschaftliche Situation zulässt und das an einem Schüleraustauschprogramm teilnimmt. Das mit weitem Abstand beliebteste Gastland sind die USA, gefolgt von Kanada, Australien, Neuseeland und Groß Britannien. In den vergangenen Jahren zieht es Schüler aber auch vermehrt in „exotischere“ Länder wie Südafrika und China. Bei der Auswahl des Landes ist zu bedenken, dass die jeweilige Landesprache dem Austauschschüler keine Probleme bereiten sollte. In der Regel bedeutet das eine Schulnote in der betreffenden Sprache von mindestens „befriedigend“ – für manche Länder wie China und Japan gibt es spezielle Regelungen. Was für die Fremdsprache gilt, gilt übrigens generell für den Notendurchschnitt: Er sollte „befriedigend“ oder besser sein.

Wer sich in der Sprache seines Gastlandes noch unsicher fühlt und Startschwierigkeiten befürchtet, sollte seine Sprachenkenntnisse vor dem Auslandsaufenthalt etwas aufpolieren – etwa per Online-Sprachkurs oder Sprachlern-Apps für Smartphone und Tablet-PC.

Mindestens ein Jahr im Voraus mit der Planung beginnen

Der Auslandaufenthalt muss natürlich von der jeweiligen Schule, die ein Schüler in Deutschland besucht, abgesegnet werden. Die Eltern müssen dafür einen ein Antrag auf Beurlaubung ihres Kindes für die jeweilige Zeit stellen. Je nach Klassenstufe, Schule und persönlichem Leistungsvermögen kann das Austauschjahr dazu führen, dass der Schüler das Schuljahr nach seiner Rückkehr wiederholen muss. Das sollte unbedingt im Vorfeld geklärt werden. Bei der Planung eines Auslandsaufenthaltes ist generell zu beachten, dass es Bewerbungsfristen gibt. Mit der Planung sollte mindestens ein Jahr im Voraus begonnen werden.

Den Schüleraustausch kann man auch in Eigenregie organisieren, das ist aber sehr aufwendig und meist auch die teuerste Variante. Daher übernimmt in der Regel ein spezialisierter Veranstalter die Organisation des Auslandsaufenthalts. Der Aufenthalt für ein Schuljahr inklusive Flug, Versicherung, Gastfamilie und Besuch einer öffentlichen Schule kostet für die USA, Großbritannien und Südafrika mindestens 7000 Euro, Australien und Neuseeland schlagen mit mindestens 10.000 Euro zu Buche. Tipp: Auf der Internetseite schueleraustausch.net findet sich ein Onlinerechner, über den sich die Angebote verschiedenen Veranstalter vergleichen und auf Wunsch auch Unterlagen der Anbieter bestellen lassen.

Veranstalter sorgfältig auswählen

Bei der Auswahl des Veranstalters sollte man aber nicht nur nach dem Preis gehen, sondern eine erfahrene und renommierte Organisation bevorzugen. Kommt es beispielsweise zu Problemen mit der Gastfamilie, ist ein Ansprechpartner vor Ort nötig, der schnell und kompetent reagiert und gegebenenfalls den kurzfristigen Wechsel in eine andere Familie ermöglicht. Der Deutsche Fachverband High School e.V. beispielsweise ist ein Zusammenschluss von elf Austauschorganisationen, die sich zur Einhaltung strenger Richtlinien verpflichtet haben.

Finanziell schlechter gestellte Familien können Zuschüsse für den Auslandsaufenthalt des Kindes beantragen. Zum einen vergeben einige gemeinnützige Austauschorganisationen Teilstipendien, einen Überblick über Stipendien für das Schuljahr 2015/16 liefert zum Beispiel das Portal schueleraustausch-portal.de. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, das sogenannte Auslands-BAföG zu erhalten.