So wichtig sind solide Deutschkenntnisse für ausländische Arbeitnehmer

Solide Deutschkenntnisse für ausländische Arbeitnehmer - papagei.com Magazin

Andere EU-Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal befinden sich dagegen weiterhin im Griff der Finanzkrise. Die Arbeitslosigkeit dort ist besorgniserregend hoch – auch unter Akademikern, Ingenieuren und anderen hoch qualifizierten Spezialisten. Viele von ihnen versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Die schwierigste Hürde dabei ist wohl die deutsche Sprache.

Fehlende Akzeptanz trotz Traumjob

Gerade junge Jobzuwanderer aus südlichen Staaten zieht es nach Norden. Rund 70 Prozent der arbeitslosen jungen Spanier, so aktuelle Schätzungen, sind bereit, für eine neue Anstellung das Land zu verlassen. Immer mehr wagen diesen Schritt auch und finden in Deutschland den gesuchten Arbeitsplatz. Doch damit beginnen neue Probleme. Und die haben mit dem Arbeitgeber wenig zu tun. Ein Großteil der Neuankömmlinge hat Schwierigkeiten, sich sozial zu integrieren. Nicht für jeden Katalanen oder Athener ist es leicht in Berlin, Hamburg oder München akzeptiert zu werden und neue Freunde zu finden. Ausländische Arbeitnehmer aus wirtschaftlich kriselnden Staaten fühlen sich nicht selten als Wirtschaftsflüchtlinge, da kann die neue Position noch so gut bezahlt und prestigeträchtig sein.

Der wichtigste Faktor für Akzeptanz ist die deutsche Sprache – nicht nur bezüglich der Kommunikation im Job. Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird sich Feinheiten, emotionale Ausdrücke und Sprachgefühl erst im Lauf der Zeit aneignen können. So schwer aber dieser Übergangsprozess in die sprachliche Integration ist, an ihm führt kein Weg vorbei. Kursangebote für Deutsch als Fremdsprache gibt es in beeindruckender Fülle. Allein die Teilnahme ist schon ein guter Schritt auf dem Weg zur sozialen Integration, lernt man doch schnell ein kleines Netzwerk von Menschen kennen, die ähnliche Ziele haben, sich unterstützen und sich gegenseitig mit ihren neuen deutschen Freunden bekanntmachen können.

Unterschiede in Mentalität und Kultur

Die Rücker Unternehmensgruppe beispielsweise, eine Ingenieursgesellschaft, die für den Automobil- und Luftfahrtsektor tätig ist, hat Erfahrungen mit der Eingliederung von Ingenieuren von der iberischen Halbinsel. Das Unternehmen bezahlt vom Start weg die notwendigen Deutschkurse und tut alles dafür, dass sich die neuen Mitarbeiter so wohl wie möglich fühlen. Zwischen diesem Anspruch und den tatsächlichen Erfahrungen der Zuzügler klaffen allerdings Lücken. Deutsche klammern die emotionalen Aspekte ihrer Entscheidungen gern aus. In anderen Ländern ist man da offener und nimmt es ernst, wenn jemand zum Beispiel Heimweh empfindet oder seinen Fußballklub, das Stammlokal oder das gewohnte Stadtviertel vermisst. Südeuropäer sind Familienmenschen. Der Wert der familiären Einbindung ist immens und kann allein mit dem Erreichen einer gewissen Eloquenz in der Fremdsprache keineswegs ausgeglichen werden. Viele Firmen wissen das und haben spezielle Programme entwickelt, die das kulturelle und sprachliche Miteinander fördern sollen.

Aufenthalt auf Zeit

Gerade in Deutschland werden schnell Rufe nach politischen Maßnahmen laut, die die Integration vielversprechender Arbeitnehmer aus anderen Staaten fördern sollen. Dabei wird schnell vergessen, dass eine gelungene Integration ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sein sollte. Und dass auch eine wohlmeinende politische Weichenstellung keine Gefühle ersetzen kann. Das Onlineportal Migazin, das sich mit dem Thema Migration beschäftigt, hat junge Spanier in erfolgreichen Jobs in Deutschland interviewt. Dabei kam heraus: Deutsch zu sprechen genügt nicht. Obwohl sie die Sprache beherrschen, fühlen sich viele der befragten Zuwanderer nicht integriert. Sie glauben nicht, in Deutschland alt zu werden. Hier sind die Deutschen gefragt, ihren neuen Mitbürgern ein Stück entgegenzukommen:

Es beginnt damit, dass man miteinander spricht.

 

 

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