Betriebe schöpfen Weiterbildungsbudgets nicht aus

Betriebe schöpfen Weiterbildungsbudgets nicht aus - papagei.com Magazin

Das Geld ist da, doch es wird nicht komplett genutzt: Laut einer aktuellen Studie reizen deutsche Unternehmen ihre Budgets für Qualifizierungsmaßnahmen nicht aus – obwohl sie großen Bedarf an der Fortbildung ihrer Angestellten haben.

In Deutschland fehlt es an Fachkräften. In rund der Hälfte der Unternehmen gibt es eine oder mehrere Stellen, die von den Firmen nicht oder nur mit Mühe besetzt werden können. Die beste Strategie gegen den Fachkräftemangel ist für 95 Prozent der Betriebe die berufliche Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter. Das sind einige Ergebnisse einer aktuellen Studie, für die das Marktforschungsinstitut Forsa Personalverantwortliche aus 200 Unternehmen in ganz Deutschland befragt hat.

Nur gut 60 Prozent der Firmen schöpfen Budget aus

Umso mehr überrascht ein weiteres Ergebnis der Studie, die im Auftrag von Springest, einem Anbieter von Fortbildungsdatenbanken, durchgeführt wurde: In lediglich 62 Prozent der Firmen wird demnach das zur Verfügung stehende Jahres-Budget für Weiterbildungsmaßnahmen zumeist vollständig ausgeschöpft. 23 Prozent der befragten Firmen erklärten dagegen, dass bei ihnen die Gelder nur zum Teil eingesetzt würden. Und immerhin acht Prozent der Betriebe erklärten, das Budget würde meist zum Jahresende gänzlich verfallen. 

Personalknappheit häufigstes Hindernis für Weiterbildungsmaßnahmen

Warum aber geben Firmen die für die Mitarbeiterqualifizierung bereitgestellten Gelder nicht aus? Personalknappheit ist der am häufigsten genannte Grund. 46 Prozent der Firmen erklären, dass sie nicht genug Manpower haben, um für sich weiterbildende Mitarbeiter eine Vertretung abzustellen. Betriebliche Sparmaßnahmen trotz zuvor festgelegtem Fortbildungs-Budget sind mit 44 Prozent der am zweithäufigsten genannte Grund. Mangelndes Interesse seitens der Mitarbeiter rangiert knapp dahinter auf Platz drei (42 Prozent).

Unterschiedliche Lösungsansätze

Wie ließe sich erreichen, dass sich mehr Angestellte weiterbilden? Der Auftraggeber der Studie, Springest, hat dazu einen arbeitnehmer- und einen arbeitgebernahen Experten befragt. Hans-Ulrich Nordhaus vom Deutschen Gewerkschaftsbund fordert eine klarere Regelung der betrieblichen Weiterbildung und eine stärkere Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Auswahl der Fortbildungsmaßnahmen.

Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln will dagegen die Arbeitnehmer stärker in die Pflicht nehmen:

„Von solchen Weiterbildungen profitiert besonders der Mitarbeiter“, sagt Werner. Daher seien „eine Kostenteilung und ein intensiver Freizeiteinsatz“ seitens der Angestellten angemessen.

Ob das die Bereitschaft der Mitarbeiter zu Qualifizierungsmaßnahmen erhöhen würde, darf aber bezweifelt werden.